Unser Schlittenhund ist der Skandinavischer Hound

Es wird auch die Bezeichnung Europäischer Schlittenhund verwendet

Der Schlittenhund gehört zu den ältesten Begleitern des Menschen. Er musste weder Haus und Hof bewachen, noch war er Typischer Familienhund. Seine Aufgabe war, unter extremen Witterungsbedingungen harte Zugarbeit zu verrichten. Dieser Hundetyp zeichnet sich durch Vitalität, Robustheit, Menschenfreundlichkeit und Arbeitswillen aus. Da Technik und Zivilisation seine urspünglichen Aufgaben überflüssig gemacht haben, findet er heute im Touren- und Rennsport seine artgerechte Beschäftigung.

Herkunft und Geschichtliches

Als vor knapp 25 Jahren durch die norwegischen und schwedischen Musher sowohl reine Deutsch Kurzhaar und English Pointer, als auch Skandinavische Hounds auf den Rennveranstaltungen in Mitteleuropa erschienen , nahm - bis auf wenige Insider - kaum jemand Notiz von diesen Hunden. Da meistens Pulka-Fahrer reine Deutsch Kurzhaar oder English Pointer einsetzten, nahm man damals an, dass diese Hunde aufgrund ihrer Grösse und ihres Gewichtes maximal für die 4-Hundeklasse geeignet seien.

Nach dem eindrucksvollen Sieg beim damaligen schwersten europäischen Etappenrennen, dem Alpirod, im Jahre 1995 durch Roger Leegard und seine Skandinavischen Hounds wurde dieses Vorurteil entkräftet. Langsam, aber stetig setzte sich dieser Hundetyp auf den mitteleuropäischen Rennplätzen durch; und spätestens nach der historischen Siegesserie von Egil Ellis in der Saison 1998/99 sowie den nachfolgenden Jahren, wo er alle wichtigen offenen Rennen in Alaska gewinnen konnte, hat der Skandinavische Hound seine Zucht- und Leistungsprüfung bestanden.

Zuchtgeschichte

In Skandinavien ist es schon seit über 50 Jahren Tradition, mit Deutsch Kurzhaar und English Pointer Rennen zu fahren. Zu Beginn der 80-er Jahre wurden die ersten Alaskan Huskies nach Skandinavien importiert. Aber viele der skandinavischen Musher merkten, dass, wenn sie eines Tages die alaskanischen Musher schlagen wollten, sie mit etwas Neuem aufwarten mussten; etwas, was die Musher in Alaska nicht hatten. An diesem Punkt kamen die Jagdhunde ins Spiel .

Der skandinavische Jagdhund hat im Laufe vieler Jahre jagdlicher Verwendung im gebirgigen Gelände gelernt, ausdauernd und kraftvoll am Berg zu laufen und gibt dies in der Zucht auch an seine Nachfolgegenerationen weiter. In dem Willen am Berg energisch zu laufen, ist ihm kaum ein anderer Hundetyp überlegen und wer die norwegischen und schwedischen Sportler im Wettkampf erlebt hat, war davon sicher beeindruckt.

Der Alaskan Husky gibt als genetische Anteile seine große Ausdauer und gute Ansprechbarkeit mit.

Sehr wichtig ist die Vererbung der Fellqualität. Wertvoller Zuchthintergrund vieler Hunde der entsprechenden Alaskanlinien sind deren hervorragende Leaderqualitäten.

Man besann sich auf den alten, aber immer noch gültigen Satz: "breed the best to the best". Man verpaarte die besten skandinavischen Deutsch Kurzhaar und English Pointer mit den besten importierten Alaskan Huskies und erhielt einen neuen Schlittenhundetyp:

den Skandinavischen Hound.

Beschreibung der Hundetyps

Der Skandinavische Hound zeichnet sich durch seine hervorragende Athletik und seinem unbändigen starkem Laufwillen aus, was sich besonders im bergigen Gelände beweist.

Er liebt die Arbeit vor dem Schlitten ebenso wie die Beschäftigung im freien Spiel. Zu Beginn und im Verlaufe eines Rennens zeigt sich bei den Hunden, was der Musher unter „desire to go - nach vorne drängen“ versteht.

Es sind extrem freundliche Hunde mit einem sehr ausgeprägten Sozialverhalten. Im Gegensatz zu reinen Jagdhunden, die in rivalisierenden Situationen dem Artgenossen gegenüber eine gewisse Aggression besitzen, hat der europäische Schlittenhund ein gutes Sozialverhalten und liebt es in Gruppen von 2-3 Hunden zu leben. Aber selbst in grossen Rudeln kommt es kaum zu Konflikten.

Die Bindung an den Menschen ist bei diesem Hundetyp sehr stark. Auf Grund seiner Charaktereigenschaften ist er nicht nur ein sehr guter Schlittenhund, sondern auch ein äußerst angenehmer Begleit- und Familienhund.

Durch den Wunsch es seinem Musher ständig recht zu machen, ist eine leichte Trainierbarkeit gegeben. Die Fähigkeit, schnell zu lernen, ist stark ausgeprägt, so dass negative Erfahrungen im Gespann z.B. durch Herüberbeissen beim Überholen auch schnell gespeichert werden. Dieses Verhalten ist nicht als "weich" zu bezeichnen, sondern hat mit Intelligenz zu tun.

Der Skandinavische Hound ist ein robuster, gesunder Hundetyp mit ausgesprochen guten Pfoten.Sein Haarkleid ist meist kürzer als das des Alaskan Husky, aber mit sehr viel und sehr dicker Unterwolle. Er toleriert größere Temperaturschwankungen im Winter genauso problemlos wie andere Schlittenhunde und friert bei entsprechender Vorbereitung nicht mehr als die nordischen Hundetypen. Bei Temperaturen bis -30°C haben auch diese Hunde keinerlei Probleme mit der Kälte.

Vor der Zucht mit diesen Hunden sollte man sich als Musher zunächst intensiv mit den verschiedenen Zuchtrichtungen befassen und auseinandersetzen. Es gibt Linien, die ausgesprochen grosse und kräftige Hunde hervorbringen bzw. solche, die einen sehr hohen Prozentsatz an unlimitierten Hunden produzieren.

Zum beseren Verständniss des Hundes zur Zucht, werden oft die Anteile des recherischen Jagdhundes in ihm angegeben.

zb. 35%  Jagdhund / Houndanteil.

Dieser Hundetyp stellt durch seine vielseitige und unkomplizierte Art sicherlich eine Bereicherung im Schlittenhundesport dar, auf die man nicht mehr verzichten möchte.

Körperliche Entwicklung

Geprägt durch seine Genetik entwickelt sich der Europäischer Schlittenhund im Vergleich zu den nordischen Hunderassen langsamer. Die körperliche Entwicklung ist oftmals erst mit 3 Jahren, besonders bei den Rüden, abgeschlossen.

Der Hundetyp zeigt sehr gute Winkelungen und Muskelansätze, die sich durch eine entsprechende körperliche Konditionierung zu sehr guten Muskelpartien entwickeln.

Die Rüden sind meist sehr groß (bis zu 62 cm Widerrist) und besitzen ein Körpergewicht bis 34 kg als erwachsener Hund. Die Hündinnen sind kleiner und leichter.

Die Ansprüche an die Fütterung sind vergleichbar mit denen eines Alaskan Husky, wobei in der Welpen- und Junghundphase großer Wert auf eine optimale Versorgung gelegt werden sollte, will man einen gesunden, leistungsfähigen Hund aufziehen.

Der Skandinavische Hound braucht unbedingt den nahen Kontakt zum Partner Mensch.